Der Sonntagsausflug
Eigentlich wollte ich mit meinen Bruder einen Bericht über das Hochwasser in Frankfurt machen aber dann kam uns der Amok - Flieger dazwischen.

Der Film wurde mit dem Fliegerlied von Hans Albers unterlegt und unter www.judith-resnik.info/resnik.htm können Sie die Webseite des Fliegers Franz-Stephan Strambach besuchen.

Mein Bruder Mike war auch in New York am 11.September zufälligerweise mit einer Kamera unterwegs.
Hier seine 11.9.- Bilder.

URL: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,229516,00.html

Protokoll des Irrsinns
 
"Weil ich sie liebe..."

Liebeskrank und komplett verwirrt, so ist der Zustand des 31-Jährigen wohl am ehesten zu beschreiben, der ein gekapertes Kleinflugzeug in ein Frankfurter Hochhaus steuern wollte. Stundenlang unterhielt er sich während seines Flugs über der Mainmetropole mit dem Flughafentower und dem Nachrichtensender n-tv. Die Online-Ausgabe der "Bild"-Zeitung hat das gesamte Protokoll veröffentlicht. SPIEGEL ONLINE zitiert Auszüge daraus.

DPA

Zeitweise wurde der Motorsegler von Abfangjägern umkreist

Es ist Sonntag, der 5. Januar, 15.40 Uhr. Die kleine Maschine kreist über Frankfurts Innenstadt. Der junge Mann, der sich selbst "Steven" nennt und dessen offizieller Name mit Franz Stephan S. angegeben wird, verlangt, der Tower solle ihn telefonisch mit dem TV-Sender CNN verbinden. Doch offenbar ist das nicht möglich.

TOWER: "Wir haben die Nummer von CNN in Frankfurt und Berlin, die gehen nicht ans Telefon."
FLUGZEUG: "Das gibt's nicht."
TOWER: "Wir versuchen es weiter, wir versuchen es weiter..."


Das Flugzeug kreist über den Hochhäusern Frankfurts.

FLUGZEUG: "Evakuieren Sie die EZB, bitte." (Europäische Zentralbank, Anmerkung der Red.)
TOWER: "Wiederholen Sie."
FLUGZEUG: "Evakuieren Sie die EZB."
TOWER: "Yes."


Der Tower versucht, verschiedene Medien zu kontaktieren. Steven fordert ein Gespräch mit dem TV-Sender n-tv oder der "Bild"-Zeitung. Schließlich steht eine Verbindung mit dem Nachrichtensender.

TOWER: "Ist dort n-tv in Berlin?"
n-tv: "Ja, hier ist n-tv."
FLUGZEUG: "Hier spricht Franz S., ein großer Fan von Judith Resnik, Judith Resnik, die damals 1986 gestorben ist bei der Explosion der Raumfähre."
...

FLUGZEUG: "Ich kreise hier über Frankfurt und werde heute mein Leben beenden und zu Judith fahren..."
n-tv: "Sie wollen Ihr Leben beenden?"
FLUGZEUG: "Ich möchte nur sagen, dass ich Judith sehr liebe, ich habe auch im Internet meine Homepage für sie...". ..." Er nennt die Internetadresse.
n-tv: "Wollen Sie Menschenleben gefährden?"

Der Tower schaltet sich ein, und kündigt an, die Moderation des Gesprächs zu übernehmen.

n-tv: "Sie wollen Ihr Leben beenden und damit das Leben Anderer gefährden?"

Im Flugzeug wird die Frage nicht verstanden, der n-tv-Mitarbeiter stellt die Frage an den Tower: "Er will sein Leben beenden. Ist ihm klar, dass er damit auch das Leben anderer Menschen gefährdet?"
FLUGZEUG: "Ich habe ja schon gesagt, die EZB soll evakuiert werden."
...


n-tv: "Was ist der Zweck des Ganzen? Das verstehen wir hier nicht..."
FLUGZEUG: "Ich möchte auf Judith Resnik aufmerksam machen... weil sie gar nicht mehr beachtet wird in der Öffentlichkeit."
n-tv: "...Sie gefährden andere Menschen."
FLUGZEUG: "Ich möchte keine anderen Menschen gefährden."


n-tv fragt nach, warum Steven diese Form gewählt hat, um auf die Frau aufmerksam zu machen. Steven erklärt, das sei die einzige Möglichkeit...

n-tv: "Sagen Sie noch was zu Judith Resnik."
FLUGZEUG: "Sie war eine Astronautin, 1949 geboren und 1986 bei dem Challenger-Unglück ums Leben gekommen."
n-tv: "Warum ist Ihnen diese Dame so wichtig?"
FLUGZEUG: "Weil ich sie liebe..."

Der n-tv-Sprecher äußert Zweifel an der Liebe. Steven sagt, er sei seit seinem 14. Lebensjahr ein Fan von ihr.

n-tv: "Das ist ja nicht ungewöhnlich, dass Sie ein Fan von ihr sind..."
FLUGZEUG: "Ja, ich habe sie seit damals niemals vergessen, alle anderen haben sie vergessen, ich habe jetzt meine Homepage..." Er nennt erneut seine Internetadresse.

DDP

Astronautin Resnik: Verehrung nach dem Tod


n-tv: "Was interessiert Sie an der Frau?"
FLUGZEUG: "Sie war eine großartige Frau... und sie war die erste jüdische Astronautin der Welt..."
n-tv: "Wie wollen Sie denn jetzt fortgehen?"
FLUGZEUG: "Ja irgendwas machen, was sie bekannt macht - die Judith Resnik halt."

Der Tower schaltet sich ein und macht Steven einen Vorschlag: "Wenn du jetzt mit dem Flieger hier in Frankfurt landest, hast du mehr Furore, als wenn du in irgendein Gebäude reinfliegst..."

FLUGZEUG: "Mit dem Gebäude, das will ich gar nicht, das mach ich gar nicht..."
TOWER: "Ja also, dann möchte ich dir vorschlagen, dass du mit deinem kleinen Flugzeug einmal im Leben hier in Frankfurt landest. Wie wär's?"
Steven zögert: "...Durch so eine Landung wird sie ja nicht bekannt."
TOWER: "Durch diese Landung wird sie mehr als bekannt, der ganze Flughafen steht still."
FLUGZEUG: "Eine Sendung in n-tv über Judith Resnik wäre mir lieber."

Der Tower erkärt Steven, dass n-tv das Gespräch über Frau Resnik nach der Landung fortsetzen will.
FLUGZEUG: "Jetzt will ich Charles Resnik sprechen." (Bruder der Toten, Anmerkung der Red.) Der Tower erklärt Steven, wie schwierig die Verbindung ist, schließlich gelingt es.

RESNIK: "Hier ist Charles Resnik..."
FLUGZEUG: "Ich muss mich bei ihm entschuldigen, ich habe einen großen Fehler gemacht, ich hätte erst fragen müssen, bevor ich die Homepage gemacht habe."

Der Tower übernimmt die Moderation des Gesprächs, Steven ist misstrauisch. ...

FLUGZEUG: "Können Sie mir den Namen von Judiths Hund verraten?"
RESNIK: "Sie meinen unseren Familienhund?"
FLUGZEUG: "Ja, den Familienhund."
RESNIK: "Tracy."
...

FLUGZEUG: "Das ist nicht richtig, der Hund hieß Stacy."
Resnik sagt, er könne sich nicht mehr genau an den Namen erinnern: "Wir hatten damals zwei Hunde."

Steven fragt nun nach dem Namen der drei Musketiere, Resnik versteht die Frage nicht. Steven will mit Judiths Vater sprechen, doch Resnik wiegelt ab. Er habe einen Herzinfarkt gehabt. Schließlich kann Resnik den Entführer von seiner Identität überzeugen.

Steven wendet sich an den Tower: "Also, ich habe diesen Charles Resnik identifiziert. Sagen Sie ihm, ich wollte nie eine Gefahr für seine Familie sein, denn ich habe das Gefühl, die Homepage ist der Resnik-Familie nicht recht."
TOWER: "Charles hat diese Homepage noch nie gesehen."

Steven will von Resnik wissen, wie seine Schwester in Europa berühmter werden könnte. Resnik sagt, dass in Europa Raumfahrt-Bildungszentren geplant seien. Auch in Deutschland.

Steven beginnt zu stottern. Dann will er wissen, ob Resnik seine Schwester auch geliebt habe. Als Resnik die Frage mit "Ja, sehr" beantwortet, ist der Entführer zufrieden. "Okay, das ist gut."

Der Tower erinnert Steven an die einsetzende Dämmerung: "Willst du nicht zum Frankfurter Flughafen kommen?" Der gesamte Flughafen stehe zur Verfügung. "Du kannst auf jeder Bahn landen, auf der du willst. Da ist absolut kein Verkehr."

Doch Steven will noch nicht aufgeben. Immer weiter will er mit dem Tower über Judith Resnik sprechen und die Bestätigung ihres Bruders hören. "Judith war eine tolle Frau. Sag ihm das."
TOWER: "Er sagt, er würde nach deiner Landung wirklich gerne mit dir reden..."

Steven will wissen, was Resnik von seiner Homepage und seiner Liebe zu Judith hält: "Was denkt er, was sagt er, dass ich seine Schwester immer noch liebe? Es ist keine normale Liebe, sondern eine platonische Liebe. Was denkt er?" ...


Der Tower bestätigt dem Entführer, Charles Resnik habe Respekt vor der Arbeit, die er in die Homepage investiert habe. "Judith wäre stolz darauf," gibt der Tower Resniks Lob weiter.
FLUGZEUG: "Oh, das ist gut. Dank dir."


Der Tower fordert Steven erneut auf zu landen. Doch Steven will noch nicht darauf eingehen. Er fragt, ob Resnik an der Homepage weiterarbeiten werde: "Er soll Wissenschaftsartikel und vielleicht auch Judiths Arbeiten draufstellen, um die Erinnerung wach zu halten."
...

TOWER: "Ist dir klar, dass ich dir gesagt habe, dass du nur noch für etwa 20 Minuten Sprit hast?" Steven fordert weitere Informationen und will mit Judiths Vater sprechen. Der Tower drängt: "Hast du verstanden, dass du nur noch für 20 Minuten Sprit hast? Du solltest so langsam mal Richtung Flughafen fliegen." Doch Steven lässt sich Zeit. Zunächst übermittelt er Genesungswünsche an den erkrankten Resnik senior. Der Tower solle Judiths Bruder seine Wünsche weitergeben: "Sag ihm, ich liebe seinen Vater und ihn auch. Robin und Charles Resnik. Ich liebe sie auch und sie sind sehr gute Menschen. Und ähm... ich liebe Judith sehr."

Jetzt haben die letzten Minuten des Schreckensflugs begonnen: Der Tower weist Steven den Kurs zum Flughafen zu. Den Entführer beschäftigt jedoch immer noch seine Liebe zu der verstorbenen Astronautin mehr als die bevorstehende Landung: "Ich werde Judith immer lieben. Ich denke, sie war eine sehr großartige Frau." Schließlich, das Drängen des Towers wird immer intensiver, dreht der Flieger Richtung Flughafen und setzt auf der Landebahn auf.

TOWER: "So Steven, das machst du gut. Jetzt nur halten, nichts mehr machen, nichts mehr machen. So, dann einfach nach links, wenn du schon langsam genug bist, einfach nach links abbiegen."
FLUGZEUG: "Okay."
TOWER: "Halten Sie jetzt an, stellen Sie den Motor ab und schalten Sie jetzt alles aus. Haben Sie alles ausgemacht?"
FLUGZEUG: "Ja."
TOWER: "Öffnen Sie die Haube und zeigen sie Ihre Hände!"
Es ist 17.11 Uhr.

Der Motorsegler war zweitweise von zwei Phantom-Kampfjets der Luftwaffe und einem Polizeihubschrauber verfolgt worden. Der Fluglotse wird nach Auskunft der Deutschen Flugsicherung (DFS) psychologisch betreut. Wegen der Schließung des Flughafens mussten 116 Starts und Landungen ausgefallen. "Der Schaden geht mit Sicherheit in die Hunderttausende Euro", sagte ein Sprecher des Flughafen-Betreibers Fraport. Etliche Maschinen waren zum Teil mehrere Stunden verspätet, einige wurden auf andere Flughäfen umgeleitet.
 

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