Der Bembel
Im Brockhaus steht Apfelweinkrug, ist das Gefäß, aus dem der Apfelwein ausgeschenkt wird. Er ist ein dick-
bauchiges Keramikgefäß mit verhältnismäßig kleiner Öffnung, graublau glasiert und meist mit blauer Bemalung verziert.
Die gebräuchlichsten Größen fassen 1 bis 12 Liter. Schon bei mehr als einer Person lohnt es sich, einen Bembel zu bestellen. Das Stöffche geht dann nicht so schnell aus, die Bedienung muß nicht so oft rennen und man selbst nicht mit leerem Glas auf Nachschub warten. Der Bembel hat sich aus zwei Gefäßformen entwickelt. Zum einen aus der Frankfurter Kanne, die lange Zeit das ausgewiesene Schankgefäß für Wein in Frankfurt war. Ihre Form war elegant, leicht ausgebaucht, mit einem längeren, weiten Hals und Ausguß. Sie war mit einem dicken Henkel und in seltenen Fällen mit einem Zinndeckel versehen.
Hergestellt wurde sie im Westerwald, dem Kannen-
bäckerland, aus salzglasiertem Steinzeug, reichhaltig mit Blaumalerei und Ritztechnik verziert. Die zweite Gefäß-
form, eine der ältesten Europas, war der Krug. Er hatte einen kurzen, engen Hals ohne Ausguß, war stark aus-
gebaucht, mit einem kleinen Henkel und manchmal mit einem Deckel oder Korken zu verschließen.
Sein Dekor bestand lediglich aus Blaumalerei. Mit einem Fassungsvermögen von 3/4 bis 1 Liter diente er den Bauern und in Frankfurt den Heckern als Apfelwein-
behältnis, in größeren Formen bis zu 10 Litern als Öl- oder Wasservorratsgerät.
Der Krug lieferte dem Bembel die bauchige Form mit enormen Fassungsvermögen - was den häufigen Gang in den Keller ersparte - und die einfache Dekoration. Ausguß, Halsform und Henkel stammen von der Kanne.
Der Ausguß ist gerade so bemessen, daß möglichst wenig von den Aromastoffen entweichen kann, er aber genügend Platz läßt, um den Bembel von innen zu reinigen.
Der kräftige Henkel ist so angesetzt, daß er einen guten Durchgriff bietet und der Bembel beim Tragen gut ausbalanciert werden kann, um möglichst nichts zu verschütten. Das Westerwälder Steinzeug hält seinen Inhalt kühl und schützt ihn vor Licht. Hier sind also Design und Funktionalität optimal verbunden.
Die erste Erwähnung des Bembels findet sich im Jahre 1893 in den von Johann Jacob Frieß geschriebenen „Humoristischen Memoiren eines alten Frankfurters“.
Wie aber der Bembel zu seinem Namen gekommen ist, bleibt bis heute unklar.
Dennoch bestehen mehrere Theorien: Der Bembel trägt seiner Dickbauchigkeit wegen mit Recht den Namen, denn Bembel leitet sich von Bombe ab.
Die Endsilbe -el ist eine Verkleinerung. Der Bembel heißt also kleine Bombe, der man Fuß und Ausguß gab... (Frankfurter Zeitung vom 16. Oktober 1927, nach dem Frankfurter Wörterbuch).Eine andere Vermutung besagt, daß sich das Wort „Bembel“ von dem Frankfurter Tätigkeitswort „bambeln“ ableitet. Bambeln bedeutet, wenn ein Gegenstand, an einer Schnur befestigt, unregelmäßig hin- und herschwingt. Denkbar wäre hier, daß der Bembel unter den Pferdewagen der Bauern festgebunden war, wenn sie aufs Feld oder zum Markt gingen oder, daß er im stützenden Schankgestell hin- und herschwang.
Dritte und hier letztgenannte Möglichkeit läßt sich von dem lateinischen Wort „pampinus“ (Rebe) ableiten. Im 17. Jahrhundert nannten die Studenten ihr Trinkgefäß „Pampel“. Daraus könnte im Laufe der Zeit Bembel geworden sein.




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